Plattformregulierung inklusive Kinder- und Jugendschutz statt Demokratie- und wirtschaftsschädlicher Nutzungsverbote

Mit dem Beschluss des Stuttgarter Bundesparteitages der CDU, im Februar 2026, nimmt die Debatte um ein Social Media Verbot für junge Menschen unter 14 Jahren neue Fahrt auf. 

Um gleich von Anfang an, ich möchte das einleitend erwähnen, nicht missverstanden zu werden. Als Vater von 3 Kindern habe ich volles Verständnis für diese Debatte. Es ist anstrengend, beinahe täglich, die Mediennutzung unserer Kinder als Eltern zu regulieren und gleichzeitig Einordnungen vorzunehmen und Fragen zu beantworten. Dennoch haben wir uns in der Familie gemeinsam entschieden, die Nutzung der so genannten sozialen Medien, allen voran Instagram und WhatsApp, nicht zu verbieten, sondern gemeinsam zu regeln und gemeinsam diskutierte und festgelegte Grenzen zu setzen. Im besten Sinne demokratisch. Bei den zeitlichen Beschränkungen, nun ja. Hier liegt die Entscheidung nicht so stark in den Händen der Kinder. Technische Möglichkeiten der zeitlichen Einschränkung gibt es reichlich. Was auf den Plattformen bzw. in den Apps fehlt sind inhaltliche Regulierungen. Ich komme noch zu den Argumenten, warum ich ein Nutzungsverbot für unter 14-Jährige für falsch halte. Ich werfe an dieser Stelle aber bereits einen Vorschlag in die Debatte.

Kennen Sie YouTube? Dann wissen Sie auch, dass es YouTube Kids gibt. Eine absolut sinnvolle Regulierung. Sie können als Eltern ein Profil anlegen und Ihre Kinder können im geschützten Raum, sichere und von Ihnen überwachte Schritte auf der Plattform unternehmen. Warum sollten Kinder den Umgang mit YouTube nicht erlernen. Medienkompetenz ist ein Schlüssel für die spätere, auch berufliche Entwicklung. Für eine gesetzliche Regulierung schlage ich vor, die Plattformen zur Einrichtung von Kinderprofilen zu verpflichten. Es spricht nichts gegen Instagram Kids, mit entsprechender sicherer Umgebung. Das gilt auch für WhatsApp und TikTok und ich gehe noch einen Schritt weiter. Künstliche Intelligenzsysteme (kurz KI) wie Deep L oder Chat GPT würde ich unmittelbar mitdenken und auch hier Kindersicherungen erzeugen. Warum sollen Kinder bei Aufsätzen für die Schule immer noch Wikipedia als Quelle heranziehen, wenn die KI-Nutzung die Arbeitswelt bereits heute massiv beeinflusst und sie aber genau darauf vorbereitet werden müssen. Kompetenzen entwickeln sich durch selbstwirksames Erlernen und nicht durch Nutzungsvermeidung. Als Gewerkschafter habe ich gelernt Entscheidungen immer durch die Brille der Arbeitswelt zu durchdenken. Mit Blick auf die revolutionären Umbruchprozesse, eben in dieser Arbeitswelt, werbe ich dafür unseren Kindern zu helfen, selbstwirksam die Welt zu verstehen, die nach Schule, Ausbildung und Studium letztlich unvermeidbar auf sie treffen wird. Hier sei kurz angemerkt. Medien- und Demokratiekompetenzbildung muss dringend permanenter Bestandteil frühkindlicher und schulischer Bildung werden. Für meine Generation (Jahrgang 1981) hat das Bildungssystem genau an dieser Stelle leider versagt. Informationen entsprechend zu verarbeiten, Fake News als solche zu erkennen, Zusammenhänge unserer, leider ja in Erosion befindlichen, parlamentarischen und repräsentativen Demokratie zu verstehen. Wirtschaftliche Zusammenhänge, ich merke die Aufzählung wird zu lang. Aber Sie verstehen sicher den Punkt. 

Die Herausforderungen für die junge Generation sind vielfältig. Kennen Sie den Satz. „Ich habe mein Leben gelebt, hab gekämpft, nun ist die nächste Generation dran die Dinge zum Besseren zu verändern!“ So oder so ähnlich habe ich diesen Satz bereits von vielen Menschen älteren Semesters gehört. Meine Großeltern hatten diesen Anspruch auch unmittelbar und immer wieder an mich gestellt. Fast hätte ich diesen Satz auch mal zu unserer großen Tochter, sie wird bald 16, gesagt. Getan habe ich es nicht. Aber wenn ich darüber nachdenke, was zum Beispiel die Angebote des Kinderkanals (KIKA), übrigens ein öffentlich-rechtliches Angebot, finanziert aus unseren Rundfunkbeiträgen, ihr an großartigen Unterstützungsleistungen zum Verstehen der Welt angeboten hat und ihren beiden kleineren Geschwistern immer noch bietet, wünsche ich mir mehr KIKA auf Instagram und TIK TOK. Oder kennen Sie das Angebot Funk. Auch Öffentlich- Rechtlich. Ausschließlich im Netz, auf allen Plattformen. Falls nicht. Schauen Sie mal rein. Aber sagen Sie Ihren Kindern nicht, wie großartig Sie die Angebote finden. Das kann sich gegenteilig auswirken. 😉  

Die politische Debatte um Social Media jedenfalls, muss vom Kopf auf die Füße gestellt werden. Nicht nur Kinder und Jugendliche hängen beim Scrollen und Wischen oft stundenlang, gesteuert durch einen Algorithmus fest. Als Mensch, der politische Debatten auf Parteitagen, in Landtagen und im Bundestag aufmerksam verfolgt, nutze ich Angebote der Öffentlich-Rechtlichen Anstalten ebenso wie Social Media Profile von Politiker*innen. Statt Kindern und Jugendlichen den Zugang in diese ja nun nicht mehr ganz so neue Welt zu verwehren, sollten wir Social Media wie weiter oben vorgeschlagen, sicherer machen und die so genannten sozialen Medien mit einordnenden Informationsangeboten regelrecht fluten.

Damit das gelingt darf sich Politik nicht mit Verboten aus der Verantwortung ziehen. Im Niedergang befindliche Demokratien fluten die Medien mit Bullshit und Ablenkung. Wehrhafte Demokratien sorgen für Einordnung und Aufklärung. Der Ort dafür ist das Netz, in dem die Plattformen derzeit dominieren. Nutzen wir das doch positiv. Bleiben wir demokratisch. 

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