Mit Drogenverkauf die Schule sanieren und mit Rechtextremen und Pädophilen alte Burgen bauen. Eine kritische Analyse des ARD Games Netzwerk. 

Ich habe mir ein paar Tage Zeit genommen und habe alle Angebote des neuen ARD Games Netzwerk ausprobiert, gespielt und einer kritischen Bewertung unterzogen. Einleitend erkläre ich, warum ich mich dieser Arbeit gewidmet habe und auf welcher Grundlage ich diese Bewertung vornehme. Im zweiten Teil beschreibe ich für jedes Angebot einzeln meine Wahrnehmung und Einschätzung, um im letzten Teil eine kurze Zusammenfassung zu setzen, die den Gremien und Zuständigen helfen soll, eine eigene Bewertung vorzunehmen. Grundlage für meine Arbeit waren ein Laptop, ein Internetanschluss, der Medienstaatsvertrag, in dem der Auftrag des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks festgelegt ist, viele Tassen Kaffee, die Telemedienkonzepte der Beteiligten und die ARD Games Website. 

Persönliches und Motivation: 

Seit dem Jahr 2014 gehöre ich dem MDR-Rundfunkrat an. Einem Kontroll – und Beratungsgremium, im tatsächlich schwer zu entschlüsselndem Kosmos der Öffentlich-Rechtlichen Rundfunkanstalten. Mit Beginn meiner Entsendung in dieses Gremium und nach einer sagen wir mal, Orientierungsphase, entschied ich mich als Mitglied der Landesgruppe Thüringen für eine Mitarbeit im Telemedienausschuss, also dem Ausschuss, der kurz gesagt für alle Aktivitäten des Senders im Neuland, also dem Internet zuständig ist. Ich interessierte mich seinerzeit schon wenig für das so genannte lineare Programm. Spannender war es für mich zu sehen, wie der „Öffentlich-Rechtliche“ den Sprung in diese nicht lineare und nach Uhrzeiten gestaffelte Welt vollziehen will. Einige Telemedienkonzepte, inklusive beihilferechtlicher Verfahren, so genannter 3 Stufen Tests später, hatte ich immerhin das Prinzip verstanden und traue mir zu auf Augenhöhe mitzureden. An dieser Stelle mag ich zumindest kurz erwähnen, dass Mitglieder in einem Rundfunkrat ehrenamtlich arbeiten, unterstützt durch Weiterbildungen und Gremienbüros, die inhaltlich und organisatorisch unterstützen. Insgesamt, bevor ich mich nach diesen einleitenden Worten dem eigentlichen Thema widme, bin ich tatsächlich nicht mehr so Kompetenz befreit im Verstehen des ÖRR-Kosmos, wie ich das mit meiner Unbedarftheit in den ersten Wochen im Jahr 2014 war. Seit einiger Zeit leite ich nicht nur den Beirat von ARTE GEIE in Strasbourg mit, sondern auch den Telemedienausschuss des 3 Länder Rundfunkrates und vertrete den Rundfunkrat damit auf ARD-Ebene im so genannten GVK-Telemedienausschuss. Hier spielt auch die eigentliche Musik, nein halt, hier spielt die ARD mittlerweile selbst oder mit, oder ok, zumindest muss die ARD auf GVK-Ebene, uns Rundfunkräten Rede und Antwort stehen, so wie es die Intendant*innen und Direktor*innen gegenüber dem eigenen Rundfunkrat oder der eigenen Landesgruppe im Funkhaus vor Ort tun. Und hier begegnete ich dann unvermittelt, aber durch das Gremienbüro gut vorbereitet, dem Thema ARD Games Netzwerk. In diesem, seit September 2025 bestehenden, losen und für die 9 ARD-Anstalten nicht verpflichteten, aber dennoch zusätzlichem Kosmos, sollen unter Federführung des SWR (Südwestrundfunk), neue Zielgruppen, die man bisher für unerreichbar hielt, für das eigene Programm gewonnen werden. Nicht die Kids, die über den Kinderkanal, geschützt und in pädagogisch saubere Wolle gewickelt, unterhalten und gebildet werden. Auch nicht die so genannte Jugend, für die mit Funk bereits ein öffentlich-rechtliches Angebot, ausschließlich im Internet geschaffen wurde. Die Zielgruppe ist weitaus klarer. 50 Millionen Menschen, Durchschnittalter 38 Jahre, spielen online Spiele. In einem komplett durchkapitalisierten Markt. Die Öffentlich-Rechtlichen Rundfunkanstalten, fast frei von Werbung, frei von kommerziellen Interessen, fast frei von politischer Einflussnahme, was für eine Chance. Darauf hat sicher nicht nur die Gamer Szene jahrzehntelang gewartet, nein auch die Spieleindustrie, also die, die mit den ganzen Games Profit machen, natürlich nur, um mit ihren Steuerzahlungen unser Land voranzubringen. Ein kleiner Hinweis noch, für die ÖRR-Profis in den Juristischen Direktionen. Bei Ubisoft in Düsseldorf/Mainz/Berlin, bei InnoGames in Hamburg, bei Wooga in Berlin, bei Crytek in Frankfurt und bei Gameforge in Karlsruhe werden gerade erstaunlich oft die Worte 3 Stufen Test und Telemedienkonzept bei Chat GPT eingegeben. Alles noch recht unübersichtlich, aber selbst Deep-L ist auch schon ganz überlastet. Wie war noch mal die exakte Übersetzung für europäisches Beihilferecht? Für die Nicht Profis, die hier auch mitlesen, wenn die Öffentlich-Rechtlichen im Internet Angebote machen, ist das dafür zu Grunde zu legende Telemedienkonzept einem Dreistufentest zu unterziehen. Zuständig sind die Aufsichtsgremien, also die Rundfunkräte oder beim ZDF der Fernsehrat. In fasse die 3 Stufen zum besseren Verständnis zusammen. In der 1. Stufe wird geprüft, ob das Konzept den demokratischen, sozialen und kulturellen Bedürfnissen der Gesellschaft entspricht. Hierauf werde ich bei den angebotenen ARD-Games gleich tiefer einsteigen. In der 2. Stufe wird geprüft, in welchem Umfang es in qualitativer Hinsicht zum publizistischen Wettbewerb beiträgt und in der 3. Stufe, welcher finanzielle Aufwand hierfür erforderlich ist. In der 2. Stufe gibt es für Wettbewerber*innen die Möglichkeit Stellung zu nehmen. 

Da ich davon ausgehe, dass alle Rundfunkräte in den an ARD-Games beteiligten Rundfunkanstalten, die auf der Website https://games.ard.de nun Spiele online gestellt haben, diese auch in ihren geprüften Telemedienkonzepten hinterlegt haben, widme ich mich nun gewohnt konstruktiv, aber natürlich kritisch diesen Spielen und nehme Sie bzw. Euch Lesende dieses Beitrages mit in die Erfahrungen in der Erlebniswelt ARD Games. Statt Virtual Reality Brille, die ich tatsächlich nicht besitze, habe ich stattdessen den Auftrag des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks zum Maßstab genommen. Was soll ich auch sonst tun, schließlich ist der Auftrag gesetzlich in Staatsverträgen geregelt.

Der Einstieg auf die Website. Bunte Kacheln zum Anklicken. So weit, so gewohnt. Wer die ARD-Mediathek oder ARD-Sounds kennt, kommt hier schnell klar. Ganz oben das Neueste und nach unten alles gut sortiert und nach Sendern beschriftet. Los geht’s. 

Die „Spiele“ inklusive Bewertung. 

Almania, ein interaktives Spiel fürs Smartphone. Altersempfehlung ab 12 Jahren. Herunterzuladen für IOS und im Google Play Store für Android. Noch kurz geschaut. Der ARD-Kollege im GVK-Telemedienausschuss meinte ja, „macht nicht süchtig, ist unterhaltend und bildend und die Dauer ist auch überschaubar“. Angabe auf der Website der ARD. 60 Minuten +. Was soll schon schief gehe? Runterladen und auf geht’s. An die Cem-Özdemir Gesamtschule. Ich gestalte meinen Avatar und gehe erstmal durch die Schule, ins Lehrerzimmer, in den Klassenraum, auf den Hof und in Richtung Schulgarten. Überall stehen Figuren, ansprechbar und mit entsprechenden Aufgaben, die ich gegen Karmapunkte, Geld und Aura Punkte erledigen kann. Die brauche ich zum Kaufen von Materialien zur Verschönerung der Schule. Einen Besen gibt’s am Anfang umsonst. Damit kann ich Müll wegkehren und mit dem Recycling Geld verdienen und wieder Dinge für die Schule kaufen. Ein paar unangenehme rassistische Sprüche meines Klassenlehrers später, stelle ich fest, dass auch Pflanzen angebaut werden können. In diesem Fall u.a. Hanfsamen. Mit den Kothaufen, die auf den kaputten Toiletten liegen, die ich später sanieren soll, kann ich die Hanfpflanzen schneller wachsen lassen. Je mehr „Bubatz“, so heißt der Stoff, ich ernte und an Mitschüler*innen und Lehrer*innen verkaufe, desto schneller kann ich die Schule sanieren. 16 Stunden später, keine Sorge, ich habe in Etappen gespielt, ist die Schule fertig und ich bekomme ein Zeugnis und kann meine Noten aber noch verbessern, wenn ich weiterspiele und weitere Dinge baue, im Lehrerzimmer koche und den toten Direktor der Schule, der in den Toilettenräumen vergammelt, zu Erde mache und eine Beerdigungsfeier veranstalte. Ein Ende hat das Spiel aber auch dann nicht, wenn ich alle Zeugnisnoten auf Sehr Gut habe. In einer Endlosschleife geht das Spiel auch nach dem Abspann weiter und weiter. Meine Bewertung. Suchtfaktor ist recht hoch. Das Spiel bietet keine Pausen. Dafür aber permanente Belohnungen, wie alle gängigen Spiele am Markt. Die Kommunikation ist grammatikalisch, rechtschreibungstechnisch und sprachlich ein Desaster. Wenn es einen Bildungsauftrag gibt, verstehe ich diesen nicht. Tote Direktoren, Drogenverkäufe in der 7. Klasse, rassistische Sprüche und ein Schulgarten, der den Drogenanbau- und Verkauf einfacher macht. Ich habe zu viele Fragen und keine Antworten und bin einfach nur sprachlos. Was soll das? 

Bau die Burg, vom SWR… kann nicht einfach gespielt werden. Grundlage ist ein Nutzeraccount bei Roblox. Roblox ist vereinfacht gesagt eine Plattform auf der kostenpflichtig so genannte Robux für echtes Geld gekauft werden, um damit Dinge im Spiel zu kaufen, mit denen Welten und eigene Spiele gebaut werden können, die anderen Spieler*innen dann gezeigt werden können. Was niedlich anmutet ist wenig reguliert und es gibt unzählige Berichte über sexuelle Bedrohungen von Kindern und auch die extreme Rechte hat sich die Robloxwelt bereits erobert. Warum die Öffentlich-Rechtlichen, allen voran die ARD ausgerechnet in diesem, laut Matt Dolmann, einem Anwalt aus Chicago: „Zufluchtsort, bzw. Spielplatz für Sexualstraftäter“ neue Zielgruppen erschließen will, erschließt sich mir nicht. Wer mehr über diese Plattform erfahren will und vielleicht auch mal selbst schauen will, was die eigenen Kinder da so erfahren, kann hier https://www.familienhandbuch.de/aktuelles/neue/59628/ Erkenntnisse gewinnen und entsprechend handeln. Auch hier wieder. Ich habe zu viele Fragen und keine Antworten. Doch eine Frage habe ich. Die ARD berichtet ausführlich über die Probleme bei Roblox in der Tagesschau. Was ist dann das Ziel eines eigenen Angebots auf dieser Plattform? 

Wer sehen will, wie die SWR-Burgen in Wettbewerben dann doch gebaut wurden, kann auf der Plattform Twitch, auf der auch der Attentäter von Halle, der seinen antisemitischen Gewaltlauf gegen eine Synagoge und deren Besucher*innen, inkl. des Erschießens zweiter Menschen, dort live gestreamt hatte, der ARD folgen. Zu vermeiden ist hier aber das Klicken auf Profile, die weiter rechts zu finden sind. Oder sie klicken mal drauf und steigen ein, in die Erlebniswelt rechtsextremen Gamings… Und schon wieder diese bohrende Frage in meinem Kopf. Wie passt das mit dem Auftrag des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks zusammen? 

Bevor es weitergeht, hier zum Durchatmen mal der formulierte Auftrag nach Medienstaatsvertrag vom 31.12.2025 

§ 26 Absatz 1: 

(1) Auftrag der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ist, durch die Herstellung und Verbreitung ihrer Angebote als Medium und Faktor des Prozesses freier individueller und öffentlicher Meinungsbildung zu wirken und dadurch die demokratischen, sozialen und kulturellen Bedürfnisse der Gesellschaft zu erfüllen. Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten haben in ihren Angeboten einen umfassenden Überblick über das internationale, europäische, nationale und regionale Geschehen in allen wesentlichen Lebensbereichen zu geben. Sie sollen hierdurch die internationale Verständigung, die europäische Integration, den gesellschaftlichen Zusammenhalt sowie den gesamtgesellschaftlichen Diskurs in Bund und Ländern fördern. Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten haben die Aufgabe, ein Gesamtangebot für alle zu unterbreiten. Bei der Angebotsgestaltung sollen sie dabei die Möglichkeiten nutzen, die ihnen aus der Beitragsfinanzierung erwachsen, und durch eigene Impulse und Perspektiven zur medialen Angebotsvielfalt beitragen. Allen Bevölkerungsgruppen soll die Teilhabe an der Informationsgesellschaft ermöglicht werden. Dabei erfolgt eine angemessene Berücksichtigung aller Altersgruppen, insbesondere von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, der Belange von Menschen mit Behinderungen und der Anliegen von Familien. Die öffentlich-rechtlichen Angebote haben der Kultur, Bildung, Information und Beratung zu dienen. Unterhaltung, die einem öffentlich-rechtlichen Profil entspricht, ist Teil des Auftrags. Der Auftrag im Sinne der Sätze 8 und 9 soll in seiner gesamten Breite auf der ersten Auswahlebene der eigenen Portale und über alle Tageszeiten hinweg in den Vollprogrammen wahrnehmbar sein.

Ich versuche auch bei den nächsten Beispielen immer im Kopf zu behalten. Kultur, Bildung, Information, Beratung und Unterhaltung. 

Die vierte Kachel klingt vielversprechend. ARD Quiz App. Ich klicke auf Download. Vorfreudig, endlich mal Bildung und Unterhaltung in einem Paket. Die Seite öffnet sich. Keine App zum Herunterladen. Hm. Ah, die ARD-Mediathek. Mit dem Quizduell Olymp. Vom Norddeutschen Rundfunk. Schnell den Trailer angeschaut. Von einer App weit und breit keine Spur. Die Weiterleitung in den App Store verlinkt auf die ARD-Mediathek. Cleverer Move oder falscher Link. Jetzt bin ich jedenfalls von der Games Seite tatsächlich in der Mediathek gelandet. Die Hinführung zum Programm, sie hat funktioniert. Ganz ohne das Spiel. Respekt an die CMS-Crew. Die App kann man sich aber im App Store selbst holen und wenn man seine privaten Daten dann eingetragen hat, kann man quizzen. Mit der Chance eingeladen zu werden und sich dann, zur besten Sendezeit mit Günter Jauch, ach nee, der ist ja bei RTL, aber zur besten Sendezeit öffentlich zu blamieren oder für gute Zwecke zu kassieren. Viel Spaß auf dem Olymp, ihr lieben Quiz Fans. 

Weiter geht’s mit Kachel 5. Green Guardians. Zieh die VR-Brille an und werde zum Green Guardian! Deine Mission: Umweltskandale aufdecken und bedrohte Ökosysteme retten. Ach, verdammt noch mal. Ich habe doch keine VR-Brille. Wer zwischen 300 und 2000 Euro rumliegen hat, bekommt aber bei Green Guardians bestimmt ganz viel Bildung, Kultur, Information, Beratung und Aufklärung. Ist halt nur nichts für Alle. Stand da nicht was von Angebot für Alle im Medienstaatsvertrag?  Eine Idee schießt mir in den Kopf. Die Landtage beschließen einen Rundfunkbeitrag von 19 Euro pro Monat und dafür bekommt aber jeder Haushalt eine VR-Brille. Deal? Haushalte mit mehr als 2 Kindern bekommen sogar 2 Brillen. 

Wow, jetzt wird es spannend. Das Tatort Game. Ich bin gleich doppelt begeistert. Stimme ich doch Tatortproduktionen im Rundfunkrat sogar hin und wieder zu, wenn regionale Produzent*innen damit gestärkt werden können. Das passiert zwar leider zu selten, aber manchmal funktioniert es. Aber zurück zur Kachel. Spannend. Gleich 3 Angebote. Ein Hörspiel, bei dem ich neben einer toten Frau aufwache und mit meinen eigenen Entscheidungen dazu beitrage, ob ich erschossen oder verhaftet werde, oder mir sogar gelingt, meine Unschuld zu beweisen. Dabei bin ich mir laut vorgegebenen Scripts selbst gar nicht sicher, ob ich nicht doch, oh mein Gott, jemanden ermordet habe. Nichts für schwache Nerven, aber der Bildungsauftrag spielt eine Rolle. Ruf die Polizei und du bist Hauptverdächtiger. Renne weg und du bist ebenso Hauptverdächtiger. Wait, what? 

Weiter geht’s mit 2 weiteren Tatortspielen. In beiden ermittle ich mit. Ich bekomme ein Smartphone mit den wichtigsten Kontaktdaten und per Sprachnachrichten und Videos helfe ich den bekannten Tatortschauspieler*innen beim Aufklären von Morden. Genaue Begutachtung der Leichen inklusive. Ich fühle mich wie ein Ermittler und darf sogar entscheiden, ob beruhigend auf die Täter eingewirkt wird, oder mit gezogener Waffe vorgegangen wird. Dazwischen echte Rätsel, Entschlüsselung von Botschaften und immer wieder Dankesvideos von echten Schauspieler*innen. Die KI, die im Chat das Ganze steuert, ist der interessante Part. Hier lerne ich Prompten. Ist das der Bildungsauftrag aus dem Staatsvertrag, frage ich mich noch, während das Team mir sagt, dass mit gezogener Waffe den Raum zu stürmen, kein guter Plan wäre. Gut, dass es noch echte und gut ausgebildete Kommisar*innen gibt, die Situationen entschärfen können. Ach Moment, das sind ja gar keine echten Polizist*innen. Was für ein Game, denke ich mir und merke in diesem Moment, dass ich schon wieder 3 Stunden am Laptop saß, um zu spielen. Krass. Was für eine Ablenkung von der Realität. Am Schluss sagen mir die Fake Polizist*innen noch, dass Sie mich sicher mal wieder brauchen und fragen, ob ich dann wieder dabei bin. Ich schreibe. „Sehr gerne“ und die Tatort Melodie erklingt. Bis nächsten Sonntag denke ich und klappe den Laptop zu. 

Ein neuer Tag und die nächste Kachel. Tatort Schule. Nein Nonsens. Planet Schule. Ein Angebot von SWR und WDR. Eigentlich sind das viele kleine Spiele, Filme, Arbeitsmaterialien mit echtem pädagogischem Ansatz. Es geht um Medienkompetenz. Es geht um Weiterbildung. Es geht um Angebote für Schulklassen. Planet Schule ist das gemeinsame Lernangebot von SWR und WDR. Der SWR arbeitet dabei mit den zuständigen Ministerien der Länder Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Saarland. Warum dieses Angebot auf der ARD Games Seite eingebunden ist, ich weiß es nicht. Die Website und die Angebote jedenfalls, sind vielversprechend und werden hoffentlich von vielen Lehrenden und Lernenden genutzt. 

Weiter geht’s mit ALPCRAFT. MINECRAFT trifft Bayern. Der Bayerische Rundfunk (BR) hat für das kommerzielle Spiel Minecraft eine eigene Welt erschaffen. Nur spielbar für Menschen, die auch Minecraft spielen. Es gibt entsprechende Installationsanleitungen und es geht um die Natur, die Alpen, um Lederhosen und Wolpertinger. Der BR weist selbst darauf hin. Die Mod selbst ist kostenlos. Du benötigst jedoch das kostenpflichtige Minecraft-Basisspiel. Hey liebe ARD, hey BR. Machen wir es wie bei der VR-Brille? Rundfunkbeitrag hoch, dafür bekommen alle einen Zugang zu Minecraft? Nein, Doch, oh schade… 

Auf geht’s zur nächsten Kachel. Wissen mach Ah! Die App. Ich werde weitergeleitet. Auf die Website des Kinderangebotes des Westdeutschen Rundfunks (WDR). Schon wieder kein Spiel. Schon wieder eine Website, die auf Angebote des Senders verlinkt. So langsam kommt mir ein Verdacht. Es gibt Sender, die wollen keine Games für die ARD produzieren. Sie wollen aber die Chance auch nicht verstreichen lassen und machen das, was heutzutage wichtig ist. Apps entwickeln und alle Angebote darüber ausspielen lassen. Richtiger Weg, lieber WDR. Weiter so. Großartiges Angebot, auch für die ARD. Linear aber vielleicht einfach nicht mehr am Wochenende am Morgen in der ARD ausspielen. Da will ich meine Kids immer beim Kinderkanal haben. Bis 2033 noch linear. Danach können wir die öffentlich-rechtliche Konkurrenz am Morgen gerne wieder ausbauen. Dann sind meine Kinder dann auch schon im ARD/ ZDF NEO Alter. 

Und nun geht’s zu meiner Lieblingskachel. Die habe ich die ganze Zeit schon gesehen und ich wurde richtig nervös. Es gibt bei ARD-Games Die MAUS. Die macht doch auch der WDR. Mit dem kleinen blauen Elefanten und so. Kenne ich aus dem linearen Fernsehen. Ich klicke drauf und muss ehrlich sagen, lieber WDR. Chapeau. Clever platziert. Wieder eine Website von Euch. Keine ARD-Games, sondern alle Spiele und Ausmalbilder und Bastelsachen die wir so lieben, die wir alle mit unseren Kindern nutzen. Aber auch hier wieder. Nur ein weiterer gut platzierter Link, der mit dem Thema Games und den formulierten ARD-Zielen nichts zu tun hat. Zur Erinnerung. ARD-Games will neue Zielgruppen auf die Angebote der Öffentlich-Rechtlichen Rundfunkanstalten locken und diese binden. Worauf liegt die Betonung? NEUE oder Zielgruppen? 

PALE BLUE heißt die nächste Kachel. Eine App zum Herunterladen. Ich klicke und bekomme die Mittelung, dass diese APP nur für I Phone Benutzer zur Verfügung steht. Inklusive neueste Updates. Also muss es schon ein sehr neues I Phone sein. Soll ich jetzt wieder den Witz mit dem Rundfunkbeitrag machen? Wir sind schon bei VR-BrilleZugang zu Bezahlplattformen und jetzt noch ein neustes I Phone. Dafür, dass die Angebote der ARD laut Medienstaatsvertrag für Alle zugänglich sein müssen, sind das schon sehr viele Voraussetzungen. Und wer ist eigentlich diese Pangolin Park GmbH, die da als Entwickler im App Store genannt wird. Wo ist der Hinweis auf die ARD? 

Die Villa im Wald klingt vielversprechend. Ich klicke auf „Jetzt spielen“ und lande in der ARD Audiothek. Pardon. Bei ARD-Sounds. Ein interaktives Hörspiel, immerhin auf der eigenen ARD-Plattform.  Das Hörspiel des Norddeutschen Rundfunk funktioniert. Spannend, gruselig. Wirklich großartig. Aber wie kann ich spielen? Ah, nach einigem Suchen finde ich einen Link. Ich klicke und bekomme folgende Mittelung: „Das Zertifikat auf der Website ist ungültig. Diese Website gibt sich möglicherweise als Adventure Hörspiele ARD aus um deine finanziellen oder persönlichen Informationen zu stehlen“. Da ich immer froh bin, wenn meine Ausspielgeräte Schadsoftware erkennen, klicke ich lieber nicht auf den Link. Ich habe echtes Vertrauen in die Öffentlich-Rechtlichen Rundfunkanstalten. An dieser Stelle ist das Vertrauen plötzlich weg. ARD-Sounds find ich persönlich echt gut und empfehle ich auch gerne an dieser Stelle. Aber wollten wir nicht über Games reden. Das bringt mich zur letzten Kachel und zu meinem letzten Test. Puh, das waren echt 4 anstrengende Tage. Zum Schluss, und auch als letzte Kachel, ganz unten. Geht’s ums Klima.

Die große Klimachallenge. Reise zu den Hotspots der Klimaforschung. Ich klicke drauf und will spielen, will forschen, will lernen. Aber was ist das? Die Website, die sich öffnet, kenne ich doch. Planet Schule, von SWR und WDR. Die hat sich doch vorhin schon mal geöffnet. Spannender Ansatz. Bisschen wie bei In App Käufen. Einfach noch ein Spiel im Spiel platziert. Die Challenge ist gut und informativ. Aber eben nichts Neues. Sie gehört zum SWR-Angebot für Schulen.  

Zusammenfassende Bewertung 

  1. Das sonst sehr stringente System der Abstimmung, Beteiligung und Finanzierung innerhalb der ARD, mit Federführungsprinzip und verpflichtender finanzieller Beteiligung bei Gemeinschaftsangeboten, und der damit verbundenen Einbindung der Kontrollgremien, je nach verabredeter oder gesetzlich fest gelegter Aufgreifschwelle, wird in diesem Fall nicht angewendet. Gefühlt können alle erstmal machen und dürfen es dann als ARD-Angebot auf die ARD-Seite stellen. Das ist schon recht ungewöhnlich, bedenkt man die sonst so stringente Herangehensweise bei Gemeinschaftsangeboten. Meiner Einschätzung nach ist aber dieser Weg bewusst so gewählt, um erstmal ins Tun zu kommen und sich nicht ständig in Arbeitsgruppen zu blockieren. 
  2. Die wenigen wirklichen Games auf der Website, also die spielbaren Spiele, können von der Mehrheitsgesellschaft eher nicht gespielt werden. Mehrmals ist die Voraussetzung entweder eine VR-Brille oder ein teures Smartphone oder in einem Fall sogar unmittelbar ein Apple Produkt, ohne das der Zugang nicht möglich ist. Ein Angebot für Alle stellen diese Angebote jedenfalls nicht dar. Eher für sehr Wenige, die es sich leisten können.
  3. Hinzu kommen noch Angebote, die für hochproblematische Bezahlplattformen wie Roblox oder eben Minecraft konzipiert werden und auch nur dort eingebunden werden können. Die ARD selbst weist in eigenen Veröffentlichungen auf Gefahren für Kinder auf diesen Plattformen hin und will diese aber dennoch bedienen und damit Kinder und Jugendliche dort an sich binden. Das ist m.E. ein Widerspruch, der nicht auflösbar erscheint. 
  4. Die ARD und einige andere ÖRR-Anstalten haben auf Twitch und YouTube Games Kanäle angelegt, um auch dort Sichtbarkeit zu erzeugen und die „neue Zielgruppe“ zu erreichen. Das bei Twitch nebenan Livestreams von antisemitischen Straftaten und noch ein bisschen weiter rechts Streams warten, in denen hochproblematische Spielverläufe gestreamt werden, scheint die ARD Akteur*innen nicht sonderlich zu stören.
  5. WDR und SWR haben mit der MAUS und Planet Schule eine gute und clevere Platzierung von einigen Angeboten auf der ARD Games Website platziert. Das ist aber nicht mehr als eine Bündelung von Angeboten (sehr wenig Bezug zu Gaming) 
  6. Spiele mit Sendungsbezug. Das Spiel ALMANIA, welches sich auf die gleichnamige Fernsehserie bezieht, ist hochproblematisch. Rassistische Sprüche vom Lehrer, Drogenhandel zur Finanzierung der Schule und so weiter. Wenn auch kostenlos, aber dieses Spiel folgt der Logik der so genannten In App Kauf Spiele, mit einem erhöhten Suchtfaktor. Die Tatortspiele bewegen sich unmittelbar am Verlauf bereits gelaufener Episoden. Gerade beim Hörspiel Tatort sollte dringend die Auslösung psychischer Belastungen durch das Spielen im Blick behalten werden. 

Insgesamt geht das gesamte Angebot im Kern am Auftrag des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks vorbei. Es schafft neue Ungleichheiten und es bedient sich problematischer Plattformen. Auf diesen Plattformen wird die ARD zum Mitbetreiber von Kindeswohlgefährdung und finanziert dies quasi faktisch auch noch mit. Eine ARD, die den Anspruch hat, für Alle zugänglich zu sein, darf keine Angebote entwickeln, die jedes Jahr ein neues Endgerät, noch dazu von nur einem Anbieter erfordern. Alles in Allem sollte das ARD Gaming Netzwerk die gemachten Erfahrungen auswerten, die Ergebnisse als Modell- und Versuchslabor kommunizieren und dann schnellstmöglich beenden und sich dem eigentlichen Auftrag widmen. 

Sandro Witt, 29.3.2026

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